Geschichte des Kirchenkreises

Der Kirchenkreis Köln-Mitte entstand im Jahr 1964 durch Teilung des früheren Kirchenkreises Köln in 4 Kirchenkreise.

Dekade 1960

Nach seiner Gründung im Jahr 1964 muss der Kirchenkreis Köln-Mitte zunächst vor allem die neue Struktur – oft auch in Absprache mit den anderen Kölner Kirchenkreisen –organisatorisch gestalten. Mit einer neu geschaffenen Synodaljugendwartstelle im Kirchenkreis und dann einer Jugendleiterinnenstelle für die weibliche Jugendarbeit wird der Grundstein für das heutige Jugendreferat gelegt.

Dekade 1970

In den Siebzigerjahren engagiert sich der Kirchenkreis für verschiedene soziale Projekte und bauliche Maßnahmen. So übernimmt er die Trägerschaft für ein mobiles Jugendfreizeit- und Ferienzentrum auf dem Rhein. Für den Kauf und Umbau eines Schiffes werden 285,240 DM bewilligt. Das langjährige Partnerschaftsprojekt mit der Irente-Farm in Tansania wird zunächst mit 50.000 DM für den „Ausbau der Irente-Farm“ begründet.

Weitere umfangreiche Gelder werden bereitgestellt für den Kellerausbau der Christuskirche und den des Tersteegenhauses in Klettenberg, die Einrichtung eines Gemeindezentrums Köln-Deutz, einer Spielstube und des Matthäus-Zentrums der Gemeinde Köln-Lindenthal. Die Trägerschaft des Informationszentrums Antoniterkirche wird für zwei Jahre auf den Kirchenkreis Köln-Mitte übertragen.

Dekade 1980

Flüchtlinge benötigen öffentlichen Beistand und wirksame Fürsprache – dieser Einsicht verschließt sich auch der Kirchenkreis Köln-Mitte nicht, und das Thema steht hier seit den Achtzigerjahren auf der Agenda. So erklärt die Synode des Kirchenkreises ihre Bereitschaft, sich bei der Bildung eines Flüchtlingsrates in Köln zu beteiligen. Als Mitglieder fasst man ins Auge: Vertreter der Kirchen, der Gewerkschaften, verschiedener Dritte-Welt-Gruppen und der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“.

Außerdem ...

... wird die Pfarrer-Georg-Fritze-Stiftung eingerichtet – mit einem jährlichen Betrag von 5.000 DM für Opfer und Diktatur und Gewalt.

... beschließt die Kreissynode die Beteiligung am Projekt für jugendliche Arbeitslose, dem Abriss und Wiederaufbau des Worringer Bahnhofs.

Dekade 1990

Das Thema Flüchtlinge und generell der Umgang mit Fremden nehmen im Laufe der Neunzigerjahre beim Kirchenkreis einen immer größeren Raum ein. Gemeinden des Kirchenkreises nehmen kurdische Flüchtlinge auf, um sie vor der Abschiebung in die Türkei zu schützen.

Und die Synode unterstützt dieses Engagement auf der (kirchen-)politischen Ebene: So bittet man den Innenminister des Landes NRW und den Bundesinnenminister um eine weitgefasste Altfallregelung auf den Gebieten des Ausländer- und Asylrechts mit dem Ziel, Asylsuchenden und Flüchtlingen, die sich seit vielen Jahren in der Bundesrepublik aufhalten und hier bleiben wollen, endlich eine Aufenthaltsbefugnis zu erteilen.

Die Kreissynode Köln-Mitte bittet die Kirchenleitung um der Menschlichkeit willen, sich verstärkt für eine politische Lösung einzusetzen, die allen an diesem Wanderkirchenasyl beteiligten Flüchtlingen ein Bleiberecht gewährt. Sie bittet die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland um Respektierung und Unterstützung der Entscheidungen der Gemeinden, die sich am Wanderkirchenasyl beteiligt haben.

Außerdem ...

... erregt im Jahr 1994 die Segnung eines homosexuellen Paares großes Aufsehen: Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland erteilt einen Verweis für Eckart Schubert, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Mitte, und Pfarrer Hans Mörtter, der die zuvor von seinem Presbyterium sowie dem Kreissynodalvorstand gebilligte Segenshandlung verantwortete. Im Kirchenkreis reagiert man auf diese Disziplinarverfügung gegen Mörtter und Schubert mit Befremden, die Kreissynode bittet die Kirchenleitung, sich uneingeschränkt für die volle Akzeptanz homosexuell liebender Menschen in unserer Kirche einzusetzen. Am Ende des Jahrzehnts setzt sie sich gegenüber der Landessynode dafür ein, gottesdienstliche Feiern zur Begleitung verschiedengeschlechtlicher und gleichgeschlechtlicher Paare zu ermöglichen.

 ... gewinnt die „Kirche in der City“ zunehmend an Bedeutung: Im Zuge einer anstehenden Strukturreform beim Evangelischen Stadtkirchenverband setzt sich die Kreissynode Köln-Mitte für die Schaffung geeigneter Räume durch die Bebauung des Geländes an der Antoniterkirche und für eine Verbesserung der Kooperation der verschiedenen Einrichtungen, Ämter und Personen ein, die im Bereich der City-Arbeit engagiert sind.

Dekade 2000

Gleichstellung von Frauen und Männern und Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare sind wichtige Akzente in der Arbeit des Kirchenkreises in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends. Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchenkreisen bleibt das Frauenreferat in Köln-Mitte personell und finanziell unangetastet. Eine Sonderdienststelle für Mädchenarbeit und Frauenberatung kann allerdings mit dem Ende des Sonderdienstmodells der Landeskirche nicht weitergeführt werden.

Was die neue „Trauagende“ betrifft, so setzt sich der Kirchenkreis dafür ein, dass geeignete liturgische Formulare für die gottesdienstliche Begleitung gleichgeschlechtlicher Lebenspaare und von Paaren, die in einer verbindlichen und auf Dauer angelegten nicht ehelichen Lebensgemeinschaft miteinander verbunden sind, aufgenommen werden. Anträge an die Landessynode zur Gleichstellung von Pfarrerinnen und Pfarrern in Lebenspartnerschaften bezüglich Besoldung und Versorgung tragen mit dazu bei, dass die Rheinische Kirche in dieser Frage als besonders offen gelten kann.

Außerdem ...

... spricht sich der Kirchenkreis für eine Rücknahme unerträglicher Verschärfungen in der Abschiebepraxis aus. Hierzu gehören z. B. das nächtliches Eindringen der Polizei in die Wohnungen der Flüchtlinge, Abschiebungen während des laufenden Härtefall- oder Petitionsverfahrens und das Ruhigstellen von traumatisierten „Abschüblingen“ durch Psychopharmaka.

Dekade 2010

Auf Initiative der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Klettenberg engagiert sich die Kreissynode Köln-Mitte gleich zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 21. Jh.s dafür, dass soziale Themen im evangelischen Köln nach der Auflösung des „Sozialethische Ausschusses“ wieder einen gesicherten Platz finden. Der Impuls der Synode führt zur Neugründung des Forums Sozialethik im Evangelischen Kirchenverband Köln.

Außerdem ...

... enthält der „Worringer Bahnhof“ in Gedenken an das Engagement Pfarrer Helmut Ruhrbergs für dieses Projekt den Namenszusatz „Helmut-Ruhrberg-Haus“.

... beschließt der Kreissynodalvorstand, sich im Zuge einer Kooperation mit den Schulen und vor dem Hintergrund schulischer Ganztagsangebote an der gemeinnützigen Gesellschaft „Ev-angel-isch“ zu beteiligen.