Friedenswort verabschiedet

Kölner Vertreter aus dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region haben am Friedenswort der Landeskirche mitgearbeitet

Die Evangelische Kirche im Rheinland fordert den längst überfälligen Abzug der letzten US-amerikanischen Atomwaffen aus Deutschland, die im rheinland-pfälzischen Büchel lagern. Das ist ein Aspekt eines Friedenswortes, das die Landessynode anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren als Diskussionsimpuls am Donnerstag beschlossen hat.

Stefan Jansen-Haß, Pfarrer in Brühl, ist Mitglied des Ausschusses der Landessynode, der das Friedenspapier erarbeitet hat. Aus seiner Sicht hat ein Friedenswort das Problem, dass es zwar groß daher kommt, dies aber nicht reicht. Deshalb sind ihm die Handlungsempfehlungen am Ende des Papiers sehr wichtig. „Das Friedenswort soll so in den Gemeinden verankert werden“, sagte Jansen-Haß in Bad Neuenahr. „Die wichtige Frage ist: Was können wir in den Gemeinden tun? Wir brauchen Anregungen für Friedensinitiativen. Das Jugendpfarramt in Köln veranstaltet zum Beispiel eine Gedenkfahrt mit Jugendlichen nach Ausschwitz. In meiner Gemeinde in Brühl haben wir einen Themenabend zu „Luther und der Krieg“ veranstaltet. Ich denke, dass wir da noch viel machen können.“ Der Brühler Pfarrer hat auch selbst einen Bezug zum Thema Krieg. „Mein Urgroßvater ist im 1. Weltkrieg im Jahr 1916 gefallen. Meine Urgroßmutter hat 60 Jahre lang Schwarz getragen“, erinnert er sich. „Dadurch habe ich schon in meiner Familie gelernt, dass das Elend des Krieges nicht allein in einem Papier wie dem Friedenswort aufgehen darf.“

Das Friedenspapier hat daher auch konkrete politische Forderungen. So soll die Bundesregierung den Atomwaffenverbotsvertrag, den 122 Staaten der Vereinten Nationen im Juli 2017 völkerrechtlich verbindlich beschlossen haben, unterzeichnen. „Wir bekennen, dass die Drohung mit atomaren, aber auch chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung angesehen werden kann. Im Vertrauen auf Gottes Frieden wollen wir uns nicht länger von solchen Waffen umgeben, schützen und gefährden lassen“, heißt es in dem am Vormittag beschlossenen Papier, das sich auch grundsätzlich gegen den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern ausspricht.

Das Friedenswort soll auf allen Ebenen der rheinischen Kirche mit dem Ziel diskutiert werden, Kirche des gerechten Friedens zu werden. Das Leitbild vom gerechten Frieden bedeutet einen Paradigmenwechsel gegenüber der Lehre vom gerechten Krieg. Was dies bedeutet, erklärt das Friedenswort so: „Kirche des gerechten Friedens zu sein bedeutet, Krieg und kriegerische Mittel als Möglichkeit der Konfliktlösung, als ‚ultima ratio‘, zu überwinden, Schritt für Schritt. Gewaltfreie Lösungen sind möglich. Sie sind schmerzhaft, weil sie eigene, besonders wirtschaftliche, Interessen berühren. Sie sind langwierig und müssen mühsam gelernt werden. Sie sind aber die Lösungen, die sich als roter Faden durch die Bibel ziehen und biblisch geboten sind.“

Zu den konkreten Handlungsempfehlungen, die in dem Papier genannt werden, gehören u. a. die Verstärkung der Friedensbildung für Gewaltfreiheit und der Einsatz von zivilen Konfliktlösungsstrategien in Schule und Jugendarbeit, z. B. durch den Einsatz der Ausstellung „Frieden geht anders – aber wie?“ oder das Programm „peacemaker“ der Evangelischen Jugend im Rheinland. Zudem will die Evangelische Kirche im Rheinland den Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens des Ökumenischen Rates der Kirchen (WCC) und der Initiativen für Gerechtigkeit und Frieden der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WCRC) unterstützen und sich daran beteiligen.

Auf der Landessynode 2021 sollen die Rückmeldungen von allen Ebenen der Kirche zur Beratung vorgelegt werden.


Text: APK
Foto(s): APK