„Offen für Veränderung und für Menschen, die Hilfe brauchen“ - Nachrichten von der Herbstsynode des Kirchenkreises Köln-Mitte

Mit einem leeren Stuhl und einer Rettungsweste erinnerte Pfarrer Jost Mazuch an Menschen, die ihr Leben auf der Flucht verloren haben.

„In unserer Mitte ist ein Stuhl frei“, brachte Pfarrer Jost Mazuch das wichtigste und berührendste Thema der Herbstsynode 2019 des Kirchenkreises Köln-Mitte gleich im gemeinsamen Abendmahlgottesdienstes auf den Punkt: Hilfe, die Menschen auf der Flucht, in unsicheren Booten auf hoher See und in Not – auch fern ihrer Heimat – dringend benötigen. Offen für Gäste in unserem Land zu bleiben und mit ihnen zu fühlen bat Mazuch seine Zuhörerinnen und Zuhörer am einschneidenden Erinnerungstag 9. November. Der leere Stuhl mit Rettungsweste war eine gelungene Einleitung zu wichtigen Themen der Synode: Antisemitismus, Kirchenasyl, Seenotrettung und die Georg-Fritze-Gedächtnisgabe 2020.

 

Synodalbericht: auf dem Arbeitsweg durch Köln

Für Susanne Beuth, die erst im September als neue Superintendentin des Kirchenkreises Mitte in ihr Amt eingeführt worden war und damit Rolf Domning nach 19 Jahren im Amt ablöste, war es der erste Bericht auf einer Synode. Die wichtigsten Themen ihres Kirchenkreises „fuhr“ sie bildlich anhand verschiedener Arbeitswege durch Köln ab: die „Kirche der Zukunft“ mit der Notwendigkeit einer vielfältigen, den veränderten Rahmenbedingungen und Lebenswelten angepassten professionellen Arbeit, aktuelle Menschenrechtsfragen, Seenotrettung, Kirchenasyl und Flüchtlingshilfe sowie parallel dazu neue Kirchenkreiszuschnitte, Verwaltungs- und Finanzthemen. Synodalassessorin Miriam Haseleu berichtete im Anschluss über den Stand der Beratungen in der Arbeitsgruppe „Kirche in Köln auf dem Weg in die Zukunft“. Für den 7. Dezember ist ein gemeinsamer Workshop für alle Arbeitsgruppen des Kirchenkreises geplant, bei dem an einem entsprechenden Konzept gearbeitet werden soll.

 

An der Zukunft bauen & Haltung zeigen

Wie sehr die Themen Flüchtlingshilfe und Antisemitismus brennen, machten auch Berichte aus den Gemeinden und den Arbeitsbereichen des Kirchenkreises deutlich. So wurde immer wieder über sich distanzierende Gemeindemitglieder berichtet, nachdem die Evangelische Kirche Deutschland erklärt hatte, ein Schiff zur Seenotrettung zu entsenden und sich Präses Manfred Rekowski zu den Themen geäußert hatte. Die Synode unterstrich ihre eindeutige Haltung für die Flüchtlingshilfe und das Kirchenasyl. Superintendentin Susanne Beuth fasste die Diskussion folgendermaßen zusammen: „Wie wir alle im Alltag konstruktiv und klar Stellung gegen menschenverachtende Worte und Taten beziehen können, bleibt ein Lernweg, den wir uns nicht ersparen dürfen und wollen.“

Oberkirchenrat Bernd Baucks überbrachte die Grüße der Kirchenleitung

Auch Oberkirchenrat Bernd Baucks unterstrich in seinem Grußwort die Notwendigkeit, aktiv, überzeugt und mit Entschiedenheit gegen Antisemitismus vorzugehen. Er nannte als Beispiel die Demonstration in Bielefeld, bei der viele tausend Menschen am Samstag, während in Köln-Mitte die Synode stattfand, gegen eine Kundgebung der Partei "Die Rechte" demonstrierten. Am Jahrestag der Reichspogromnacht hatte die Partei einen Protestmarsch angekündigt, der auf diese Weise durch eine weit größere Anzahl Menschen „gekontert“ wurde, was Baucks sehr begrüßte. Er nutzte außerdem die Gelegenheit, einen Ausblick auf die Themen der Landessynode im Januar 2020 zu geben. Hauptthema wird das Arbeitsfeld Diakonie sein, aber auch Punkte der Jugendsynode sowie grundlegende Themen aus dem Bereich Finanzen werden auf der Tagesordnung stehen.

 

Georg-Fritze-Gedächtnispreis: zweigeteilt für öffentliche Aufmerksamkeit

Ein deutliches Signal für die Würde eines jeden Menschen und für christliche Werte setzte auch der Beschluss über die Vergabe der Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe. Die Synode entschied, zwei Projekte auszuwählen und somit beide entsprechend zu würdigen. So wird die eritreisch-italienische Menschenrechtlerin Dr. Alganesc Fessah für ihren mutigen und lebensgefährlichen Einsatz bei der Befreiung entführter Flüchtlinge ausgezeichnet. Zweiter Preisträger ist Religionslehrer Wolfgang Rall aus Angermünde in Brandenburg. Gemeinsam mit seinen Schülern engagiert er sich ungeachtet des massiven politischen Gegenwindes und des Gegendrucks in seiner Stadt offen gegen rechts. Außerdem setzt sich Rall in einem Bürgerbündnis für eine gewaltfreie, tolerante und weltoffene Stadt ein.

 

Evangelische Kitas: ein Schatz, der nicht einfach zu heben ist

Schwerpunktthema der Synode war die Zukunft der Evangelischen Kindertagesstätten. Gastrednerin Sabine Prott, Leiterin des Geschäftsfeldes „Tageseinrichtungen für Kinder“ in der Diakonie Rheinland-Westfalen Lippe und Geschäftsführerin des Rheinischen Verbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V., referierte zu der Frage „Evangelische Kitas – Schatz oder Belastung?“ Um eigene Erwartungen und Möglichkeiten innerhalb der Gemeinden konkretisieren zu können und Entwicklungsprozesse zu initiieren, diskutierten die Synodalen zukunftsorientierte Fragestellungen in Kleingruppen. Die Auswertung zeigte: Wenn Kitas als „Schatz“ verstanden  werden, muss klar sein, dass nicht alle Gemeinden die Mittel haben, diesen zu heben. Hat eine Gemeinde diesen „Schatz“ jedoch einmal abgegeben, ist die Option meist vertan – „weg ist weg“.

„Kindertagesstätten sind immer ein fester Bestandteil des Gemeindelebens“, sagte Prott nachdrücklich. „Hier wird wesentlich und schon früh gesellschaftliche Teilhabe gelebt, werden Grundsteine für demokratisches Verständnis gelegt.“ Als Institutionen, die sich in den vergangenen Jahren – aufgrund gesetzlicher Änderungen, aber auch durch pädagogische Erkenntnisse und gesellschaftliche Veränderungen bedingt – erheblich weiterentwickeln mussten, leisten Kitas einen großen Beitrag zur Integration. Sie vermitteln christliche Werte und tragen zur Sinnstiftung bei. „Letztlich also ein Schatz, den es lohnt zu bewahren“, schloss Sabine Prott. Um das vorhandene Potenzial nutzen zu können, sind allerdings auch die Trägerinnen und Träger gefragt und gebeten, bei Bedarf gegenüber Entscheidern offensiver für ihre Anliegen einzutreten.

 

Neue Synodalbeauftragte in Köln-Mitte

Außerdem wählte die Versammlung einen Nominierungsausschuss für die anstehenden Wahlen auf der nächsten Synode. Außerdem wurden drei Synodalbeauftragungen neu gewählt. Pfarrerin Miriam Haseleu ist neue Beauftragte für Migration, die Synodalbeauftragung für Kindergottesdienst übernimmt Pfarrerin Katja Korf. Neuer Synodalbeauftragter für den Bereich „Prädikanten“ ist Bernd Franzen.

Kirchmeister Joachim Morawietz stellte den Haushaltsabschluss und die Haushaltsplanung für die Jahre 2020 und 2021 vor. Im Jahr 2018 hatte der Kirchenkreis ein Haushaltsergebnis mit positivem Bilanzergebnis von rund 43.300 Euro. Auch für die Jahre 2020 und 2021 geht Morawietz von einem positiven Ergebnis aus.

Die nächste Synode des Kirchenkreises Köln-Mitte findet am 5. Juni 2020 statt.

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Stichwort: Kirchenkreis Köln-Mitte
Der Evangelische Kirchenkreis Köln-Mitte setzt sich aus den sechs Gemeinden Köln, Riehl, Nippes, Lindenthal, Klettenberg und Deutz/Poll zusammen. Das „Parlament“ des Kirchenkreises ist die Kreissynode. Ihr gehören im Kirchenkreis Köln-Mitte zurzeit 69 stimmberechtigte Vertreterinnen und Vertreter – Theologinnen, Theologen und Laien – aus den sechs evangelischen Gemeinden an. Geleitet wird der Kirchenkreis Köln-Mitte seit diesem Jahr von Superintendentin Susanne Beuth, gemeinsam mit dem Kreissynodalvorstand.


Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller / APK

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