Segen für Karnevalisten – ökumenischer Gottesdienst im Dom mit Kardinal Woelki und Stadtsuperintendent Seiger

Kirche und Karneval – das gehört in Köln untrennbar zusammen. Deshalb gibt es die von Kardinal Meisner vor Jahren begründete Tradition, dass sich das Kölner Dreigestirn in jedem Jahr den Segen von ganz oben im Kölner Dom abholt. Mit dabei waren in dieser Session mehrere tausend Jecken sowie viele Karnevalsvereine mit ihren Standarten. Kardinal Woelki und Stadtsuperintendent Bernhard Sieger gaben den Segen für die neue Session.

Dombesuch in Ornat und mit Standarte

Beeindruckend sah es aus, als sich die Karnevalisten langsam sammelten, um rechtzeitig in den Dom zu kommen. Bunte Kostüme, Uniformen und Standartenträger prägten das bunte Bild rund um die mächtige Kirche, die fröhliche Atmosphäre wurde beim feierlichen Einzug mit in das Gotteshaus genommen. Der Wortgottesdienst, zu dem evangelische und katholische Kirche gemeinsam eingeladen hatten, war geprägt von karnevalistischen, aber auch ernsten Momenten. Es wurde gesungen, sogar geschunkelt und applaudiert, in ernsten Momenten auch nachdenklich geschwiegen.

Karnevalskerze zum Schutz für die Session vom Kinderdreigestirn gestaltet

Kölner Kinderdreigestirn

Zu Beginn des Gottesdienstes hat Kardinal Woelki eine Karnevalskerze gesegnet, die vom designierten Kinderdreigestirn gestaltet wurde. Mit der Kerze bitten die Kölner Karnevalisten um Schutz für die Session. Symbolhaft soll diese Kerze die Karnevalszeit erleuchten. Sie wird bis Aschermittwoch im Dom brennen und kann dort besichtigt werden. Auch hier wurde das Sessionsotto ”Et Hätz schleiht em Veedel “ verwirklicht - alle 86 Veedel sind auf der Kerze abgebildet.

Gottesdienst im Zeichen der Veedel und ganz locker

„Was für mein herrliches Bild“ schwärmte Kardinal Woelki spontan beim Anblick der bunten Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. „Das ist einer der schönsten Gottesdienste überhaupt und dazu noch der am zweit-meist-besuchte Gottesdienst hier im Dom.“ Der Gottesdienst stand im Zeichen des Sessionsmottos „Et Hätz schleiht em Veedel.“

Der Kardinal wies darauf hin, „in unserem Leben gibt es Schuld, Versagen und Sünde. Dafür bitten wir Gott um Vergebung.“ Die Lesung aus dem 1. Johannesbrief befasste sich mit dem Thema Nächstenliebe. „Wer liebt, stammt von Gott und erkennt Gott.“ Seine Predigt begann der in Köln-Mülheim aufgewachsene Kardinal mit der Anrede „Leev Fastovendsfründe“ , womit er sogleich die jecken Herzen auf seiner Seite hatte. „Ich weiß, was es bedeutet, seine Heimatstadt zu verlassen, ich musste drei Jahre nach Berlin.“ Da merke man, was man zurücklasse, die Heimat, die bekannten Menschen. „Wir in Köln nennen das Veedel.“ Das Leben hier stelle ein „Jeföhl“ dar und das ergebe sich aus den Menschen, mit denen man dort lebt.

„Gott hat ein mitfühlendes Herz, wenn Christen geben, vermissen sie nichts, dann werden sie reicher.“ Das Ganze nenne sich Geborgenheit. Auch die Gemeinsamkeit der Kirchen war dem Kardinal ein Anliegen: “Ich freue mich, dass wir hier zusammen einen ökumenischen Gottesdienst begehen.”

Bernhard Seiger: Global denken, lokal fühlen

Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger

Das sah Stadtsuperintendent Bernhard Seiger ganz genauso: „Schön, dass wir hier zusammen den Gottesdienst feiern“ – so eröffnete er seine Predigt im Kölner Dom. „Zusammengehörigkeit ist für Christen gerade in der globalen Welt immer wichtiger.“ Es sei immer wichtiger, zu wissen, wo man hingehöre. „Als Christ ist man nie alleine unterwegs.“ Die gegenseitige Fürsorge der Menschen verwirkliche sich besonders auf der lokalen Ebene.

Egal, was in der Welt passiere, das aktuelle Sessionsmotto rufe zu lokalem Zusammenhalt auf. „Global denken und lokal fühlen – das brauchen wir in der heutigen Zeit.“ Zum Schluss zitierte Bernhard Seiger „ein ganz einfaches Gebot, was wir alle kennen: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Der Nächste sei immer der andere, der einem gerade begegne.

Kollekte für SKM und SKF

Die Kollekte kommt in diesem Jahr dem Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in der Siedlung „Im Mönchsfeld“ im Kölner Norden zugute. Hier bieten die katholische Kirchengemeinde, der SkF und der SKM gemeinsam wertvolle Hilfen für Familien, Jugendliche und Kinder an.

Kölsche Fürbitten und kölsche Gaben

Kölner Dreigestirn

Die Fürbitten wurden in karnevalistischen Stil in Kölsch vom erwachsenen und vom Kinderdreigestirn gesprochen. Göttlicher Beistand für die Jecken, eine schützende Hand über die Veedel und die Bitte um ein friedliches Karnevalsfest standen dabei im Mittelpunkt. Ein besonderes Gebet galt den Opfern des Unfalls in Südtirol, darunter auch eine junge Kölnerin.

Nach den Fürbitten übergaben die Pänz von Jan van Werth dem Kardinal einige typisch kölsche Gaben wie ein Kölschfass, einen Karnevalsorden oder eine Karnevalskappe, die er sofort begeistert über seine Kardinalsmütze zog. Den Präsentkorb mit Süßigkeiten reichte er gleich weiter an eine Obdachlosenunterkunft, „die freuen sich wie jeck darüber.“

Kölsches Finale

Auch die Musik bei diesem Gottesdienst war dem Motto angepasst. Gemeinsam sangen alle das Lied vom Veedel sowie die Hymne vom Stammbaum. Kardinal Woelki intonierte gemeinsam mit Bernhard Seiger die kölschen Lieder, schnell sang die ganze Gemeinde lauthals mit. Mit einem Vaterunser sowie dem Segen für alle Karnevalisten und einem beeindruckenden Ausmarsch war der Gottesdienst dann beendet.


Text: Dr. Klemens Surmann
Foto(s): APK

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